Ich hab Rücken…

Den Satz kennt jeder und die meisten haben ihn schon einmal selber so oder so ähnlich gesagt. Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit.  Sie sind für eine Vielzahl an Arbeitsunfähigkeit(stag)en verantwortlich und somit ein sehr  kostenintensives Phänomen. Der jährliche volkswirtschaftliche Schaden von Rückenschmerzen wird auf gut 50 Milliarden Euro[1] taxiert. Eine wahnsinnige Zahl, genauer gesagt eine 50 mit 9 Nullen.

Aber was ist denn nun dieser Rückenschmerz, warum tut mir der Rücken so weh und v. a. wie kriege ich das wieder weg.

Häufigkeit

Man geht davon aus, dass gut 80 Prozent der Bevölkerung (75-84%[2]) mindestens einmal in ihrem Leben an Rückenschmerzen leiden (sog. Lebenszeitprävalenz). Die meisten davon sind – und das ist die wichtigste Aussage dieses Textes – gutartiger Natur. Man bezeichnet sie auch als nichtspezifische Rückenschmerzen. Sie treten akut auf und sind sehr häufig selbstlimitierend.
Das heißt, sie kommen von selber und gehen von selber. Nach einer unterschiedlich langen Zeit.

Ursachen

Die häufigste Ursache für eine Lumbalgie (reiner Rückenschmerz ohne Ausstrahlung in die Beine) sind Verspannungen, also eine Fehlhaltung der Muskulatur. Diese kann entweder ausgehend von angeborenen oder erworbenen Fehlstellungen sein oder eine (schmerzbedingte) Fehlhaltung darstellen.

Durch den sinkenden Sauerstoffgehalt der Muskulatur, schlechtere Durchblutung und weitere (weil schmerzbedingte) Fehlhaltung kommt es zu steigenden Schmerzen. So fühlt man sich schnell in einem Teufelskreis gefangen.

Bewegungsmangel und Stress als Mitursache

Häufig betroffen (aber natürlich nicht immer und solitär) sind Menschen, die bei der Arbeit viel und lange sitzen ohne sich zwischendurch zu bewegen, die insgesamt eher einen schwach ausgebildeten Muskelgürtel haben, an Bewegungsmangel leiden etc.
Man weiß aber auch, dass (ähnlich wie Zähneknirschen) psychischer Stress somatische Schmerzzustände verstärken kann. Wenn man also sich Sorgen macht, grübelt etc. kann es schnell zu (subjektiv) stärkeren Rückenschmerzen kommen. Damit „steckt man den Patienten nicht in die Psychoecke“ wie viele Patienten dann oft befürchtend sagen, sondern dies ist ein durch viele Studien untermauertes Phänomen.
Übergewicht wiederum, gepaart mit Bewegungsmangel, ist außerdem ein Grund für Rückenschmerzen, die untrainierte Muskulatur muss relativ gesehen mehr leisten, um den Körper zu stabilisieren und aufrecht zu halten. Auf Dauer kann dies zu Beschwerden führen.

Natürlich kann nicht jeder den eigentlich notwendigen Muskelaufbau so durchführen, wie man sollte. Beruf, Stress, Kinder, Verpflichtungen jeglicher Art können einen davon abhalten. Ich selber kann ein Lied davon singen und bin seit knapp 6 Monaten quasi sportfrei und dafür muss ich nun auch mit ein paar mehr Beschwerden rechnen.

Therapie

Das schlechteste, was man bei akuten Rückenschmerzen machen kann, ist sich NICHT zu bewegen und einfach nur ins Bett zu legen. Die Muskulatur braucht die Belastung, das Training, und die Bewegung, um wieder schmerzfrei funktionieren zu können. Es geht hier auch nicht um Marathonläufe oder Extremsportarten, sondern der Patient soll aktiv/beweglich bleiben und sich nicht in passives Nichtstun und Abwarten ergeben.

Unterstützende Therapie

Natürlich ist aufgrund der starken Schmerzen Bewegung oft leichter gesagt als getan. In diesem Fall empfehlen sich leichte  Schmerzmittel, sogenannte nichtsteroidale Antiphlogistika, wie Ibuprofen oder Diclofenac. Natürlich unter Beachtung der Kontraindikationen und bei längerer Behandlung und Vorschäden mit Magenschutzpräparaten. Durch diese antientzündlich wirkenden Schmerzmittel kann der Teufelskreis der Schmerzen durchbrochen werden.

Unterstützend wirkt auch selbst angewandte Wärme, weil diese die Muskulatur entlastet und entspannt, z. B. auch als warmes Bad. Manchen Patienten hilft auch Kälte, das sollte ggf. ausgetestet werden.
Entlastende Lagerung im Stufenbett (Beine auf eine Kiste legen, so dass man 90° im Knie und Hüftbereich erreicht) kann ebenso helfen wie lokal angewandte Massagen oder Entspannungsübungen.

Prognose

Die Prognose der meisten Patienten mit akuten Rückenschmerzen ist gut,  so reduzieren sich die Beschwerden meist innerhalb weniger Wochen bei den allermeisten Betroffenen (75-90%)[3]. Definitionsgemäß gehören zu den akuten Rückenschmerzen jene, welche nicht länger als 6 Wochen anhalten.

Wann man zum Arzt sollte

Selbstlimitierend bedeutet, dass der Schmerz nach einer Weile, so etwa nach 5-7 Tagen zumindest eine Besserungstendenz zeigen sollte.
Unbedingt zum Arzt sollte man schon vorher, wenn man eine Infektion hatte, Fieber bekommt, Lähmungen,  Taubheitsgefühle , stärkste, nicht auszuhaltende Schmerzen, Inkontinenz, allgemeines Krankheitsgefühl. Dies kann auf schwerwiegendere Ursachen hinweisen.

Natürlich kann IMMER etwas Schlimmeres dahinterstecken. Auf die Entfernung nur beim Lesen hier, ist das natürlich nicht sicher einzuschätzen.

[1] Wenig CM, Schmidt CO, Kohlmann T et al. (2009) Costs of back pain in Germany. Eur J Pain 13 (3): 280 to 286.
[2] Raspe, H, Gesundheitsberichterstattung des Bundes (2012), Heft 53, Rückenschmerzen: 13.
[3] Grotle M, Brox JI, Veierod MB et al. (2005) Clinical course and prognostic factors in acute low back pain: patients consulting primary care for the first time. Spine (Phila Pa 1976) 30 (8): 976 to 982.

 

Bildquelle: pixabay, Typographyimages

Merken

Merken

Merken

Merken