Wozu dient eine Stillberatung?

Die ersten Fragen, wenn ich als Stillberaterin kontaktiert werde lauten immer: „Was heißt eigentlich Stillberatung, wie läuft das ab und wie viel kostet das?“.
Stillberatung gibt es derzeit in Deutschland über vier verschiedene Beratungsinstitutionen. Alle gemeinsam haben das Ziel Mutter und Kind in ihrer Stillbeziehung und ihrem Stillwunsch nach aktuellem wissenschaftlichen Stand zu unterstützen.

Diese Wünsche können durchaus sehr vielfältig ausfallen: Verbesserung der Stillbeziehung, Problemlösung, Abstillen, Fragen zur Verträglichkeit von Medikamenten oder medizinischen Untersuchungen mit dem Stillen, allgemeine Fragen zum Nutzen der Muttermilch, zu Dingen, die beachtet werden sollten in einer Stillbeziehung, zur Länge der Stillzeit, sowie rechtliche Fragen, etc.
Wichtig zu beachten ist, dass eine Stillberaterin nicht versuchen wird, die Mutter zum Stillen zu überreden wenn deren Wunsch das Abstillen ist. Wir verpflichten uns jedoch, genau wie auch Ärzte, über alle Konsequenzen die mit diesem Wunsch einhergehen, aufzuklären.
Auch nicht stillende Mütter oder Eltern sind in der Regel bei einer Stillberaterin gut aufgehoben.

Welche Stillberaterinnen gibt es

In Deutschland unterscheidet man derzeit grob zwischen ehrenamtlichen Stillberaterinnen der LaLeche Liga (www.lalecheliga.de), der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (www.afs-stillen.de) und den beruflichen Stillbegleiterinnen des deutschen Ausbildungsinstituts für Stillbegleitung (http://www.ausbildung-stillbegleitung.de/), sowie den IBCLC Stillberaterinnen (http://www.bdl-stillen.de/ibclc.html), die dabei die höchste Kompetenz mit internationaler Qualifikation aufweisen.


Die ehrenamtlichen Stillberaterinnen arbeiten stets kostenlos, es fallen höchstens kleine Beträge für Fahrtkosten bei Beratungen zu Hause an. Die beiden Vereine finanzieren sich vor allem über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Die AFS unterhält eine 24 Stunden Beratungshotline zum Ortstarif. Beide Vereine haben offene Listen von Stillberaterinnen auf ihren Websites und viele dieser Beraterinnen bieten Telefon-, E-Mail-, WhatsApp- und Hausberatung, sowie Stillgruppen an.

Qualifikationen


Die Qualifikationen der ehrenamtlich arbeitenden Stillberaterinnen variieren je nach Erfahrung und beruflicher Herkunft stark, hier steht jedoch vor allem die Mutter-zu-Mutter-Beratung im Vordergrund.


DAIS Stillbegleiterin haben in der Regel Berufe im Gesundheitswesen und nutzen die Stillberatung als zusätzliches Angebot in Kinderarztpraxen, in Krankenhäusern, Beratungszentren, Elternschulen oder ähnlichem. Die Beraterinnen arbeiten entgeltlich, was regional unterschiedlich zwischen 30 und 50 € pro Stunde betragen kann.


IBCLC Stillberatung stellt dagegen eine Fachweiterbildung für Gesundheitsberufe (Hebammen, Ärzte, Kinder-/Fachpflegekräfte, etc.) dar und bietet daher die höchste Qualifikation mit dem größten Wissen. IBCLC Stillberaterinnen arbeiten nicht selten freiberuflich oder nutzen das Wissen innerhalb ihrer Arbeit mit den Kindern und Eltern. Sie sind vor allem bei schwerwiegenderen Problemen wie schlechter Gewichtszunahme, Krankheiten im Zusammenhang mit dem Stillen, Medikamentenverträglichkeiten, Allergien, Relaktation etc. die passenden Ansprechpartner.


Da die deutschen Krankenkassen nur in sehr seltenen Fällen eine Stillberatung durch eine Stillberaterin der IBCLC übernehmen, müssen hier die Eltern die Kosten selbst tragen. Je nach Region und Schwierigkeit der Beratung und Behandlung, können sich die Kosten hier auf 40-70€ pro Stunde belaufen. In der Regel sind jedoch nicht viele Beratungsstunden nötig, so dass sich die Gesamtkosten im Rahmen halten.


Stillberaterinnen arbeiten in einem Netzwerk zusammen mit Hebammen, Ärzten und anderen Institutionen, so dass bei Problemen während der Beratung, Kompetenzgrenzen oder bei großer Entfernung zueinander an eine zweite, passende Stillberaterin oder kompetente Quelle verwiesen werden kann.

Die Beratung

Der häufigste Kontakt zu uns Stillberaterinnen findet über unsere Stillgruppen oder telefonisch statt. Nach einem bestimmten Fragenkatalog werden hierbei die Problematik und der Beratungsbedarf ermittelt und mit der Mutter, bzw. den Eltern ein weiteres Vorgehen besprochen, bzw. weitere Maßnahmen empfohlen. Je nach Fragestellung oder Problematik kann die Beratung weiter über das Telefon oder Mail erfolgen oder die Beraterin empfiehlt einen Hausbesuch um sich vor Ort ein Bild zur Situation zu machen. Eine Stillberatung geht dabei stets nur so lange und so weit, wie es die Mutter/die Eltern wünschen.


Viele Stillberaterinnen bieten auch buchbare Kurse zur Stillvorbereitung in der Schwangerschaft, Beikosteinführung oder anderen Teilthemen an, oder integrieren diese Themen in den Stillgruppen.


Stillberaterinnen sind nach ihrer Ausbildung zu regelmäßigen Fortbildungen verpflichtet um einen möglichst aktuellen Wissensstand zu gewährleisten. Sie sind ebenfalls verpflichtet stets auf wissenschaftlicher Basis zu arbeiten und nicht aufgrund persönlicher Meinunen oder Vorlieben.

Leider ist die Bezeichnung „Stillberatung“ in Deutschland kein geschützter Begriff, zögern Sie also nicht, nach der vorhandenen Qualifikation zu fragen.
Stillen ist ein ganz besonderes Erlebnis zwischen Mutter und Kind, das viel Schutz bedarf und auch verdient. Grundvoraussetzung für eine gelungene Beratung stellt daher auch eine gute Beziehung zwischen Mutter/Eltern und Beraterin dar. Stimmt die Chemie nicht, seien Sie ruhig offen gegenüber der Beraterin, gemeinsam findet sich sicherlich jemand der Ihnen optimal zur Seite stehen kann.
In den kommenden Beiträgen werde ich das Thema Stillen und Säuglingsernährung weiter beleuchten. Haben Sie Themenwünsche oder Anregungen? Schreiben Sie mir im Gästebuch!
Bis dahin alles Gute Ihr Milchmädchen

 

Bildquelle: Flickr, Reka Magyarosi