Hepatits B. Alles zum Thema Impfung und Erkrankung

Das erste Mal, dass ich mich sehr intensiv mit den Empfehlungen der STIKO(= ständige Impfkomission) auseinandersetzte, war als unser Sohn geboren wurde und plötzlich viele Fragen aufkamen: „Lassen wir exakt nach den STIKO Empfehlungen impfen?“ oder „alles impfen, aber dafür später, wenn der Winter vorbei ist?“ oder „lassen wir einfach bestimmte Impfungen ganz ausfallen? „.

Unsere Hebamme beriet uns dahingehend, dass Impfungen generell unnötig und gefährlich sind. Sie riet uns zu einem Buch, welches von Ärzten geschrieben wurde. Diese würden raten sich sehr genau und auch kritisch mit dem Thema ich auseinanderzusetzen. Das Buch war auch von einer anderen Hebamme bereits zuvor im Geburtsvorbereitungskurs allen ans Herz gelegt worden. Selbst später war dieses Buch immer wieder Thema unter Müttern. Die Hepatitis B Impfung wurde immer wieder exemplarisch herangezogen.

in besagtem Buch wird kritisch gesehen, dass Kinder ab der 9. Lebenswoche bereits erstmals mit Hepatitis B geimpft werden, obwohl der Übertragungsweg Blut, Blutprodukte und Sexualverkehr ist. Weiter wird angeführt, dass selbst im Kindergarten keine größeren Mengen an Blut zwischen den Kindern ausgetauscht werden und eine Impfung einen Teenager auch nicht vor anderen übertragbaren Sexualkrankheiten schützen könne.

Ich kann nicht sagen, dass mich das nicht alles verunsichert hätte. In Folge dessen tat ich genau das, wozu mir das Buch riet und setzte mich mit Impfungen kritisch auseinander.

Impfempfehlung zu Hepatitis B

Die STIKO empfiehlt eine Impfung gegen Hepatitis B seit 1995 für alle Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche. Im Rahmen der Grundimmunisierung wird üblicherweise mit dem Sechsfachimpfstoff geimpft. Die Impfung, welche im Säulingsalter durchgeführt wird, besteht aus vier Teilimpfungen. Nach einer Grundimmunisierung, unabhängig ob in der Kindheit oder im Erwachsenenalter, ist im Allgemeinen keine Auffrischimpfung notwendig. Grund für die frühe Impfung ist, dass man möglichst einen flächendeckenden Impfschutz erreichen will.

– die erste Impfung erfolgt ab der 9. Lebenswoche
– die zweite Impfdosis erfolgt mit vollendetem dritten Lebensmonat
– die dritte Impfdosis erfolgt ab dem vollendetem vierten Lebensmonat
– die letzte Teilimpfung wird zwischen dem 11.-14 Lebensmonat gegeben

Hepatitis B und Kinder

5% aller in Deutschland an Hepatitis B Erkrankten sind Kinder. Häufigster Übertragungsweg des Virus ist der von der Mutter auf das Kind, was hauptsächlich unter der Geburt geschieht. Seltener ist der Übertragungsweg durch Blutprodukte oder bei Operationen und noch seltener mittels verseuchten Spritzen auf Spielplätzen. Eine Infektion über den Speichel ist theoretisch möglich über Infizierte mit sehr hoher Viruslast (=Anzahl von Viruspartikeln im Blut eines infizierten Patienten). An Hepatitis erkrankte Kinder dürfen Kindergärten und Schulen ohne weitere Auflagen besuchen. Lediglich bei schwer aggressivem Verhalten oder offenen Hauterkrankungen kann vom Gesundheitsamt eine andere Entscheidung getroffen werden.

Schutz vor Hepatitis B

Als erstes ist hier die Impfung zu nennen.
Innerhalb der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen werden die Mütter auf eine Hepatitis B Infektion untersucht. Falls eine Infektion besteht, werden die Neugeborenen innerhalb der ersten 12 Stunden nach der Geburt mit einem aktiven und zusätzlich mit einem passivem Impfstoff geimpft.
Nicht geimpfte Kinder, die sich an einer potentiell infizierten Nadel stechen, müssen innerhalb von 48 Stunden eine passive Impfung erhalten, um eine Infektion zu verhindern.

Verlauf

Bei Kindern verläuft die Hepatitis B Infektion in ca. 95% der Fälle chronisch , d. h. sie heilt nicht aus, sondern verursacht Schäden an der Leber, die im weiteren Verlauf zur Notwendigkeit einer Lebertransplantation führen kann. Bereits der fortlaufende Umbau der Leber führt zu einer Leberzirrhose, die ein hohes Risiko zur Entstehung von Leberkrebs birgt.

Das hepatozelluläre Karzinom (=HCC) ist ein sehr aggressiver Tumor, der bei Patienten mit Leberzirrhose die häufigste Todesursache ist. Die Leberzirrhose wiederum ist der wichtigste Risikofaktor für die HCC-Entstehung. Aufgrund der zugrunde liegenden Leberzirrhose sind die Therapieoptionen v.a. im fortgeschrittenen Stadium sehr eingeschränkt.

Für unsere Familie war recht schnell klar, dass wir auf diese Impfung nicht verzichten möchten. Egal wie häufig oder selten eine Krankheit oder Komplikation ist, dies hilft einem nicht, sollte das eigene Kind davon betroffen sein. Insbesondere die hohe Wahrscheinlichkeit auf Chronifizierung und die äußerst eingeschränkten Therapiemöglichkeiten waren für uns ausschlaggebend.

Quellen: https://www.rki.de/EN/Content/infections/Vaccination/recommandations/Background_paper_HBV_vaccination.pdf?__blob=publicationFile

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/HepB/HepB.html

Der Internist. Das hepatozelluläre Karzinom. Ausgabe 5/2017

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