Mastitis pueperalis – die Entzündung der Brust in der Stillzeit

Anläßlich der „World breastfeeding week“, widme ich mich diesmal dem Thema der Mastitis puerperalis, umgangssprachlich Brustentzündung der Stillenden Frau. Die Mastitis ist leider ein häufiger Grund für das frühe Abstillen und ich finde es daher um so wichtiger, diesem Thema hier Beachtung zu schenken.

Dank meiner langen und vielfältigen Stillerfahrung (zweimal Zwillinge, Einling, Frühchen, ganz viel pumpen), habe ich auch mit diesem Krankheitsbild mehrfach persönliche Erfahrung machen „dürfen“ und mich jedesmal selbst erfolgreich behandelt. Um dieses Thema auch evidenzbasiert wiederzugeben, habe ich mich jetzt mit den Behandlungsleitlinien der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe auseinandergesetzt.

Was sind die Symptome?

Eine Mastitis fäng zunächst meist ganz harmlos an, man spürt einen leichten Schmerz an umschriebener Stelle in der Brust, woraus dann jedoch schnell ein unangenehmes Ziehen mit lokaler Erwärmung, später dann auch mit Schwellung und Rötung wird. Wenn ich diese Anzeichen bei mir feststelle, weiss ich eigenlich immer schon, dass ich mich für den nächsten Tag krank melden kann, denn innerhalb weniger Stunden entwickeln sich grippeähnliche Symptome mit Schüttelfrost, Gliederschmerzen, allgemeinem Unwohlsein und evtl. Fieber – es geht einem richtig schlecht. Mit passender Therapie verbessern sich die Symptome der Mastitis bei den meisten Patienten innerhalb der nächsten Tage. Relativ selten und vor allem bei zu zurückhaltender Therapie, kann sich jedoch auch mal ein Abszess (Eiterbeutel) daraus enwickeln.

Die Ursachen – Angebot und Nachfrage

Bei der Mastitis handelt es sich um eine Entzündung der Brust, enweder im Zusammenhang mit einem sog. Milchstau, bei dem eine Milchdrüse verstopft ist und die adäquate Entleerung der Brust verhindert wird, oder durch Eindringen von Bakterien in die Brust. Ursache für einen Milchstau kann das falsche Anlegen des Säuglings sein, unvollständiges Entleeren bei einem trinkschwachen Kind bzw. eine erhöhte Milchproduktion (das Angebot übersteigt die Nachfrage), oder aber Veränderungen in der Stillfrequenz (also wenn plötzlich seltener gestillt wird). Bleibt es bei Symptomen, die sich lokal auf den gestauten Bereich beschränken, ist es ein reiner Milchstau, enwickeln sich jedoch allgemeine Symptome wie oben beschrieben, dann handelt es sich um eine Mastitis. Nicht jede Mastitis ist folglich durch Erreger verursacht, jedoch begünstigt ein Milchstau das Eindringen von Bakterien und es kann sich daher eine bakterielle Entzündung daraus entwickeln, dies ist für die Behandlung wichtig zu wissen (siehe unten). Eine andere Ursache für das Eindringen von Erregern sind kleine Verletzungen der Brustwarze, z. B. zu Beginn der Stillzeit kurz nach Geburt, wenn die Brustwarzen häufig wund sind, aber auch später, wenn das Baby seine ersten Zähnchen bekommt und diese dann mal an der Brust testet. Wichtig zu erwähnen ist hier, dass Stress und Schlafmangel in jedem Fall die Entstehung einer Mastitis fördern.

Am häufigsten tritt eine Mastitis puerperalis in den ersten Wochen der Stillbeziehung auf, ca 27 % in den ersten drei Monaten, wobei ich persönlich die Erfahrung gemacht habe, dass die neuentdeckten Zähnchen in Kombination mit der Rückkehr in den Beruf und dem damit verbundenen Stress bei mir meistens der Auslöser waren. Der häufigste nachgewiesene Erreger ist Staphylococcus aureus, jedoch kommen auch diverse andere Erreger in Frage.

Was tun?

Zunächst sollten die oben genannten Ursachen behoben werden. Besonders in der ersten Zeit der Stillbeziehung ist die Inanspruchnahme einer kompetenten Stillberaterin wichtig, um mit deren Hilfe, Fehler bei der Stilltechnik zu erkennen und zu beheben. Jegliche Form von Stress sollte unbedingt vermieden werden, Ruhe ist für eine schnelle Genesung unerlässlich, man sollte sich nicht scheuen, Hilfe anzunehmen z. B. um in den Stillpausen schlafen zu können. Womit wir auch schon beim wichtigsten Punkt sind: unbedingt weiter stillen! Eine Infektionsgefahr besteht zumindest für den reifgeborenen Säugling nicht (bei Frühchen wird empfohlen, die Milch zu verwerfen) und die Brust muss regelmäßig entleert werden, um den entzündeten Bereich zu entlasten. Es empfielt sich für diese Zeit, den Säugling immer zuerst an der der entzündeten Brust anzulegen, um diese vollständig zu entleeren. Ist dies zu schmerzhaft, kann man auch zunächst an der anderen Seite beginnen, bis der Milchspendereflex ausgelöst wird und dann die Seite wechseln. Für eine vollständige Entleerung kann man auch mit der Milchpumpe nachhelfen, oder die Brust mit der Hand ausstreichen, beides ist jedoch oft noch schmerzhafter, als das Stillen selbst. Eine weitere Form der der Soforttherapie besteht im Kühlen bzw. Wärmen der Brust. Hier die Empfehlung: Vor dem Stillen wärmen um die Milchgänge und Gefäße zu erweitern und einen Abfluss der Milch zu verbessern, nach dem Stillen kühlen, um die Schmerzen und die Schwellung zu lindern.

Zur Schmerzlinderung kann man Schmerzmittel nehmen, erlaubt sind in der Stillzeit u. a. Paracetamol und Ibuprofen, wovon letzteres aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung vorzuziehen ist. Da es sich, wie schon erläutert, häufig nicht um eine bakterielle Mastitis handelt, sondern um eine Entzündung durch Milchstau, verbessern sich die Symptome mit diesen Maßnahme meist relativ schnell. Sollten sich die Symptome jedoch nicht innhalb der ersten 24-48 Stunden bessern, ist von einer bakteriellen Infektion auszugehen und eine Therapie mit Antibiotika notwendig. Persönlich hatte ich schon ca. 10 Mal eine Mastitis, davon musste ich bisher nur zwei Mal ein Antibiotikum nehmen, bei den anderen 8 Mal, waren die Symptome innerhalb von 24 Stunden schon deutlich besser. Bei der Wahl des Antibiotikums sollte Euer Arzt das Erregerspektrum berücksichtigen, sowie daran denken, dass das Medikament in der Stillzeit zugelassen ist. Die Dauer der Einnahme beträg 10-14 Tage, da bei kürzerer Behandlung, die Infektion zurück kommen kann.

Sicherlich kann man bei den ersten Anzeichen zunächst mit den beschriebenen mechanischen Behandlungsformen versuchen, die Sache in den Griff zu bekommen, jedoch sollte sich die evtl. notwendige antibiotische Behandlung nicht zu sehr verzögern, da sich sonst ein Abszess entwickeln kann, welcher dann operativ behandelt werden muss.

Vorsicht

Bei häufig wiederkehrenden Entzündungen, immer im selben Bereich muss unbedingt eine weitere Abklärung erfolgen, da sich (sehr selten) eine Form des Brustkrebses dahinter verstecken kann, das sogenannte inflammatorische Mammakarzinom.

Zu guter Letzt kann ich Euch nur ans Herz legen, so unangenehm eine Mastitis ist, nicht aufgeben, die Erkrankung ist im Normalfall von kurzer Dauer und durchhalten lohnt sich!

 

Quelle: Leitlinie: Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) (federführende Fachgesellschaft)