„Stillen fördern – gemeinsam!“

So lautet das Motto der Weltstillwoche für 2017. In Anlehnung an die 40 Schwangerschaftswochen findet diese in Deutschland vom 02. bis 08. Oktober statt.
Als Stillberaterin habe ich mich selbstverständlich der Stillförderung verschrieben, doch das Stillen fördern kann jeder.

Warum das Stillen fördern?

Zunächst beginnt es in unseren Köpfen. Stillen ist die natürliche Art einen Säugling zu ernähren. Nun hat „natürlich“ einen faden Beigeschmack, da er andersherum bedeutet, jeder der nicht stillen kann oder nicht stillen möchte, ernähre sein Kind unnatürlich, was ein sehr negativ besetzter Begriff ist.
In der Stillberatung nutzen wir daher lieber den Begriff der physiologischen Ernährung, also der Ernährung, die den Bedürfnissen unseres Körpers entspricht.
Alle Vorteile des Stillens zu benennen würde den hiesigen Rahmen vollends sprengen, daher fasse ich nur einige Punkte kurz zusammen:

Muttermilch ist stets perfekt auf die Bedürfnisse des Kindes angepasst und verändert sich auch entsprechend der Entwicklung oder den Bedürfnissen des Kindes. Bei Erkrankungen des Kindes ändern sich dessen körperliche Bedürfnisse und über ein komplexes System, dass der Wissenschaft bis heute nicht vollkommen klar ist, reagiert der mütterliche Körper schnell darauf und verändert die Zusammensetzung der Muttermilch. So werden, unter anderem, Krankheitskeime des Kindes aufgenommen und der mütterliche Körper produziert Antikörper und Abwehrstoffe passend zu diesen Keimen, die dann über die Milch an das Kind weitergegeben werden. Gestillte Kinder erkranken daher statistisch gesehen seltener und die Krankheitsverläufe sind milder. Die Risiken an bestimmten Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Übergewicht oder an Allergien zu leiden sinkt ebenfalls statisch gesehen mit jedem Monat, den ein Kind gestillt wird. Für die Mutter sinken die Risiken für die nicht genetisch bedingten Brustkrebsarten oder auch Diabetes mellitus stark, je länger sie stillt. Der Körper des Kindes ist dagegen, mit einer seltenen Erkrankung als Ausnahme, perfekt auf die Nutzung von Muttermilch als Nahrung ausgelegt.
Das Stillen ist jedoch nicht nur aus medizinischer Sicht hochgradig interessant. So steigt bei jeder Stillmahlzeit auch der Hormonspiegel bei Mutter und Kind, vor allem im Bereich der Glücks- und Bindungshormone. Diese Hormone sorgen für eine enge Bindung zueinander, wirken stimmungsaufhellend, schmerzlindernd und entspannend auf beide. Kaum ein anderer Moment in unserem Leben kann dies in dieser Intensität schaffen wie das Stillen.
Kurzum: Muttermilchernährung hat aus rein wissenschaftlicher Sicht nur Vorteile für Mutter und Kind. Weshalb die Empfehlung der WHO für alle Länder und Bevölkerungsgruppen weltweit gleich ist: Mindestens 6 Monate voll zu stillen und bis zum 2. Lebensjahr begleitet durch Beikost oder so lange wie Mutter und Kind es wollen.

Wie können Sie das Stillen fördern?

Stillförderung kann ganz einfach sein und ist für jeden jederzeit durchführbar:
– Informieren Sie sich zum Thema Stillen und Muttermilchernährung
– Seien Sie offen gegenüber dem Wunsch zu stillen
– Unterstützen und entlasten sie Mütter vor allem während der oft holprigen Anfangszeit
– Isolieren Sie stillende Mütter nicht. Niemand möchte alleine oder auf der Toilette essen, auch Säuglinge nicht
– Nehmen Sie die Brust einer Mutter als Nahrungsquelle, nicht als Sexualorgan wahr
– Ermutigen Sie die Mutter ihr Kind zu stillen, auch wenn es vielleicht gerade schwierig ist
– Unterstützen Sie die Mutter auf der Suche nach Hilfe, wenn es Schwierigkeiten gibt oder Fragen ( www.afs-stillen.de www.bdl.de www.lalecheliga.de www.embryotox.de )
– Ermutigen sie Mütter, in der Öffentlichkeit zu stillen
– Nutzen Sie das Angebot kostenloser Stillgruppen, oder weisen Sie darauf hin, Stillen ist ein Prozess, der nicht instinktiv funktioniert, sondern erlernt werden muss, sorgen Sie also für gute Vorbilder
– Begleiten Sie die Mutter zu Stillgruppen oder Stillvorbereitungskursen
– Setzen Sie die Mutter nicht unter Druck, es kann sein, dass die Entscheidung für das Stillen oder verschiedene Entscheidungen im Laufe der Stillbeziehung für Sie befremdlich erscheinen. So manch neue Information stellt keine Kritik an eigenen Entscheidungen dar, sondern einfach neues Wissen und zum Glück sind wir nicht alle gleich
– Weisen Sie auch andere auf die „Normalität“ des Stillens hin
– Stillenden den Zugang zu öffentlichen Einrichtungen oder Gaststätten zu verbieten ist eine Form der Diskriminierung
– Setzen Sie sich auch als Arbeitgeber für stillende Mitarbeiterinnen ein, hier hat der Gesetzgeber ab 2018 die zu gewährenden Stillpausen auf das 1. Lebensjahr beschränkt, manchmal sind diese aber auch darüber hinaus nötig, unterstützen Sie ihre Mitarbeiterinnen
– Unterstützen Sie Vereine und Aktionen zur Stillförderung
– Usw.

Niemand sollte für die Art und Weise ausgeschlossen, verurteilt oder bestraft werden, wie er sein Baby ernährt. Daher möchte ich hier vor allem auch die Mütter ansprechen, die ihre Kinder nicht stillen können oder wollen. Am Ende sind wir alle nur Mütter, die das Beste für ihr Kind wollen. Der Weg dorthin kann sehr unterschiedlich sein und doch können wir ihn gemeinsam gehen. Jeder sollte für sich und seine Familie die Entscheidung treffen, die für sie die passende ist. Die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, muss am Ende auch jeder für sich alleine tragen. Es wird jedoch alles leichter, wenn wir uns in unseren Entscheidungen so akzeptieren, wie wir sind. Die Ernährungsweise unserer Kinder macht uns am Ende nicht zu besseren oder schlechteren Eltern, sondern einfach nur zu Eltern.