Wenn das Glück sich nicht erfüllt

Schweig still mein Herz

Es ist ein Thema, das in unserer Gesellschaft immer noch tabuisiert wird,ein Thema, über das man nur leise flüstert. Hinter vorgehaltener Hand raunt es da: Fehlgeburt.
Betroffenen fällt es schwer, darüber zu sprechen, sitzt der Schmerz doch so unendlich tief während es gleichzeitig häufig an Akzeptanz im Umfeld mangelt.
Die unendliche Freude über das Entdecken einer Schwangerschaft, das Glück das einen erwartet mit diesem Kind im Leib, wird abrupt und so ungebremst in eine tiefe Trauer und Bestürzung, einen unendlichen Seelenschmerz verwandelt, sobald man diese furchtbaren und hoffnungslosen Worte des Arztes vernimmt: „Ihr Kind lebt nicht mehr.“

Harte Fakten und weiche Umarmungen

Miriam Funk hat sich in ihrem Buch „Tabuthema Fehlgeburt. Ein Ratgeber“ (erschienen 2017 im Mabuse Verlag http://www.mabuse-verlag.de als 119 Seiten E-Book und Softcover) diesem Thema mit viel Herzblut und eigener Erfahrung gewidmet.
Sie schafft es in ihrem Buch, mit Hilfe von harten Fakten und den Antworten von betroffenen Frauen aus einer Befragung mit mehr als 400 Teilnehmerinnen, eine Aufklärung zu gestalten, die es auch für Nichtbetroffene leichter macht sich den Gedanken und Gefühlen der Eltern zu nähern.
Geteilt wurde das Buch in fünf sehr wichtige Abschnitte, die es den Betroffenen erleichtern, das passende Thema für sich schnell und unkompliziert zu finden.
So widmet sich Frau Funk im ersten Teil des Buches den die medizinischen Aspekten: Mögliche Formen einer Fehlgeburt, Häufigkeit, Ursachen, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten.
Im Zweiten Teil klärt sie zwar nüchtern über verschiedene rechtliche Möglichkeiten bezüglich der Therapie, aktueller Studienlage oder Bestattungsregelungen in den einzelnen Bundesländern auf, dennoch spürt man als Leser die Wärme mit der die Autorin versucht, die Eltern zu bestärken ihre Rechte wahrzunehmen. Sei es die Hebammenbetreuung, die den Müttern nach einer Fehl- oder Totgeburt zusteht, die Anerkennung des Sternenkindes auf dem Standesamt oder die verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten, die Inhalte werden mit viel Gefühl für diese sensiblen Themen vermittelt.
Der dritte Teil mit der Überschrift „Umgang mit einer Fehlgeburt“ ist der emotionalste Teil. Schuldgefühle, Trauerrituale und Tipps für betroffene Frauen stellen hier wichtige Themen dar. So beschreibt sie im Buch verschiedene Möglichkeiten, Trauer zu leben und Erinnerungen zu leben ohne darin zu versinken. Ein besonderes Lob möchte ich noch für den Bereich über die Situation der Männer aussprechen. Miriam Funk gibt diesen einen ganz eigenen und wertvollen Platz in ihrem Buch, denn Männer trauern unter Umständen ganz anders, jedoch deshalb nicht weniger, als ihre Partnerinnen.
Der vierte Teil ist vor allem für Angehörige und Freunde von Betroffenen wertvoll, da er zwar mit erhobenem Finger aufzeigt, was wirklich nicht hilfreich ist, aber auch die Wünsche der Betroffenen mit deren eigenen Worten darlegt, was für viele in der akuten Situation kaum möglich ist. So wird schnell deutlich, dass es zur Unterstützung nicht vieler Worte bedarf, als vielmehr eines offenen Ohrs und weicher Umarmungen.
Den fünften Teil gibt es so in der Untergliederung nicht zu finden, diesen möchte ich dennoch, wenn auch nur im Geiste, hinzufügen. So findet sich im letzten Teil des Buches neben Dankesbekundungen und abschließenden Gedanken der Autorin, eine Aufzählung von hilfreichen Adressen. Diese stellen ein sehr wertvolles Gut für die Betroffenen dar, denn sie sind nicht allein und finden hier einen sicheren Ort, um sich über ihr Erlebtes und Erleben mit anderen Betroffenen auszutauschen, sei es eine Selbsthilfegruppe oder ein Internetforum. Auch andere Hilfsangebote wie eine Karte aller Sternenfelder in Deutschland oder spezialisierte Fotografen sind in dieser Aufzählung zu finden.

Was am Ende bleibt

Am Ende des Buches bleiben viele neue Erkenntnisse über Gutes und weniger Gutes im Umgang mit dem Thema Fehlgeburt, jedoch auch viele Gefühle, denn beim Lesen wird einem schnell bewusst und klar: Egal zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft und unter welchem Umstand es zu einer Fehl- oder Totgeburt kam – die Betroffenen leiden. Dieses Leiden ist individuell und jedes Leid hat sein Daseinsrecht. So kann eine Mutter, die ihr Kind in der 8. Schwangerschaftswoche verlor ebenso unter ihrem Verlust leiden und trauern, wie eine andere Mutter bei einem Verlust in der 23. Schwangerschaftswoche. Es geht nicht um hollywoodreife Umschreibungen von Tragödien, sondern um Individualität, Rechte und die Enttabuisierung eines Themas, das so viele Frauen in unserer Gesellschaft betrifft.
Betroffenen und auch Angehörigen oder Interessierten kann ich dieses Buch daher mit reinem Herzen empfehlen.
(Direktlink zum Buch: https://www.mabuse-verlag.de/…/504715a3-0246-ef4c-fd30…)

Über die Autorin des Buches:
Miriam Funk ist Diplom-Übersetzerin und hat sich auf medizinische Themen, insbesondere Gynäkologie, spezialisiert. Sie arbeitet als freie Texterin und Lektorin und führt seit 2007 als Chefredakteurin das Internetportal www.9monate.de

Mit herzlichem Dank an den Mabuse Verlag für das Bereitstellen des Buches.

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