Epilepsie und Schwangerschaft

Hier als erstes die 2 wichtigsten Nachrichten:

1) Frauen mit Epilepsie dürfen schwanger werden.

2) die überwiegende Mehrzahl der Schwangerschaften von Epilepsie-Patientinnen verläuft absolut komplikationslos.

In der Epilepsieambulanz sehe ich mich häufig mit schwangeren Patientinnen oder Patientinnen konfrontiert, die planen schwanger zu werden. Ich empfehle allen Frauen mit einer Epilepsie, vor Planung einer Schwangerschaft einen Neurologen oder eine spezielle Epilepsie-Sprechstunde aufzusuchen. Insbesondere sollte geschaut werden, ob eine Umstellung der antiepileptischen Medikation sinnvoll ist oder eine Anpassung der entsprechenden Medikation erfolgen muss. Außerdem empfehle ich den Patientinnen aufgrund des Folsäuremangels durch Enzyminduktion, Folsäure in hoher Dosis (5 mg) bereits einige Monate vor Schwangerschaftsbeginn einzunehmen.

Therapiestrategien vor/in der Schwangerschaft

Bezüglich der medikamentösen Behandlung gilt bei Epilepsiepatientinnen, die schwanger werden wollen, der Grundsatz: Anzustreben ist eine Monotherapie mit einem einzigen Präparat in möglichst niedriger Dosierung. Sollte dies nicht möglich sein, sollte versucht werden, wenig unterschiedliche Präparate gleichmäßig über den Tag verteilt einzusetzen, um die Blutspiegelspitzen gering zu halten. Eine Monotherapie mit Valproat oder eine Kombination aus Valproat und Carbamazepin sollte vermieden werden. Wichtigstes Ziel ist die Anfallsfreiheit! Nach Eintreten der Schwangerschaft sollte die bestehende Therapie nicht mehr geändert werden.

Wir monitorieren die Patientinnen alle 4 Wochen und bestimmen hierbei die Blutspiegel der Antiepileptika. Der Spiegel einiger Medikamente, z.B. Lamotrigin und Levetiracetam, sinken im Laufe der Schwangerschaft durch ein verändertes Verteilungsvolumen. Hierauf reagieren wir mit einer Anpassung der Dosis, um das Anfallsrisiko zu minimieren. Nach der Schwangerschaft sollten ebenfalls regelmäßige Kontrollen der Medikamentenspiegel erfolgen, um die Dosis langsam wieder zu reduzieren.

Fehlbildungsrisiko

Eine weitere Sorge der Frauen vor oder während der Schwangerschaft ist das Risiko von Fehlbildungen. Tatsächlich ist das Risiko für kleinere und größere Fehlbildungen bei Kindern epilepsie-kranker Mütter um das 2-3fache erhöht (Kombination aus genetischen Faktoren und embryotoxischen Effekten der Medikamente. Zu den kleineren Fehlbildungen gehören sogenannte Dysmorphien des Gesichts (z.B. ein erweiterter Augenabstand) oder verkürzte Fingerglieder. Größere Fehlbildungen sind definiert als Fehlbildungen, die einen chirurgischen Eingriff bedeuten (Herzfehler, usw.). Unter Carbamazepin und Valproinsäure kann ein offener Rücken häufiger auftreten als es in der Normalbevölkerung zu erwarten wäre. Hohe Blutspiegelspitzen sind mit dem Auftreten des offenen Rückens korreliert, so dass empfohlen wird, wenn Valproat eingenommen werden muss, die Dosis auf eine retardierte Form umzustellen und gleichmäßig über den Tag zu verteilen.

Wir empfehlen aufgrund des erhöhten Fehlbildungsrisikos die Durchführung einer pränatalen, feindiagnostischen Ultraschalluntersuchung in der 20. SSW.

Vererbung

Eine weitere gute Nachricht ist, dass das Risiko, eine Epilepsie weiter zu vererben, eher gering ist. 3-5 % der Kinder von Eltern, die an einer Epilepsie leiden, entwickeln selbst eine Epilepsie im Vergleich zu 1 % der Kinder von nicht erkrankten Eltern.

Dank des EURAP Schwangerschaftsregisters (http://www.dgfe.org/home/index,id,567,selid,3893,type,VAL_MEMO.html) sind sehr viele Informationen zu antiepileptischer Therapie und schwangeren Frauen zusammengetragen worden. Wir fragen alle schwangeren Patientinnen, ihren Schwangerschaftsverlauf ebenfalls monitorieren zu dürfen und anonym an das Register weiterzuleiten, so dass wir hoffen, zukünftig noch mehr Informationen und Daten zu gewinnen.

Glückliches Ende

Nun noch eine kleine Geschichte aus meiner Ambulanz. Letztens habe ich eine Patientin betreut, die leider in der 28. SSW einen Status epilepticus entwickelt hat und intensivmedizinisch betreut werden musste. Zusätzlich zu der normalen antiepileptischen Medikation wurde aus diesem Grund ein Benzodiazepin hinzugenommen. Die weitere Schwangerschaft verlief komplikationslos. Das Baby kam gesund und munter auf die Welt.

Literatur:

Deutsche Gesellschaft für Epileptologie

Epilepsie und Kinderwunsch: Leitfaden für die ärztliche Beratung (EURAP; Bettina Schmitz)

Bildrechte: Pixabay,