Leicht wie eine Feder, schwer wie ein Stein – gestillte Kinder und das Gewicht


Leicht wie eine Feder, schwer wie ein Stein:
gestillte Kinder und das Gewicht.

Kaum ist das Baby da, hört man von überall Tipps und Ratschläge zum Thema Gewicht der Kleinen. Gerade als junge Erstlingsmama kann das schon ziemlich unsicher machen, denn nicht selten widersprechen sich die Aussagen.

Nimmt mein Baby genug zu? Oder nimmt es vielleicht sogar zu viel zu?

Zweites lässt sich bei vollgestillten Kindern schnell beantworten: Nein. Kinder, die ausschließlich über Muttermilch ernährt werden, können nicht zu dick sein.

Dein Baby gehört also zu den kleinen Stillbuddhas und bietet viel Knuddelfläche?
Alles gut! Übergewicht gibt es bei ausschließlich gestillten Babys nicht und es stimmt hier tatsächlich: Das verwächst sich, sobald die Kleinen anfangen mobil zu werden, werden die kleinen runden Knutschkugeln zu wendigen Powerkrabblern.

Wie sieht es jetzt aber genau aus mit der Zunahme und wann sollte man ein Auge darauf werfen?

Richtwerte zur Zunahme:

In den allerersten Tagen können gestillte Neugeborene etwas Gewicht abnehmen. Dies geschieht vor allem durch die Ausscheidung von Körperflüssigkeit und Mekonium.

Die Gewichtsabnahme sollte jedoch nicht mehr als 7 % des Geburtsgewichts betragen. Eine höhere Gewichtsabnahme kann auf eine Störung beim Stillen hinweisen. Die Anlegetechnik und Häufigkeit sollten dann überprüft werden.
Infusionen während der Geburt können ein falsch-hohes Geburtsgewicht und eine falsch-hohe Abnahme bei den Kindern verursachen. Dies sollte bedacht werden, wenn die 7% Grenze erreicht wird.

Nach dem Einsetzen der Milchproduktion, zwischen dem ersten und vierten Tag nach der Geburt, sollte das Baby nicht weiter abnehmen, sondern anfangen, wieder an Gewicht zuzunehmen.
Manche Kinder nehmen nach der Geburt kaum oder gar nicht ab. Studien zeigen, dass sich frühes und häufiges Anlegen, viel Haut-zu-Haut-Kontakt, sowie störungsfreie Geburtsverläufe positiv darauf auswirken.

Am 10.-14. Lebenstag sollte es sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben.

Nach 3 Wochen muss es sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben.

In den ersten 2 Monaten nimmt es normalerweise 170 – 330 g pro Woche zu.

Im 3. – 4. Monat 110 – 330 g pro Woche, im 5. – 6. Monat 70 – 140 g pro Woche und vom 7. – 12. Monat 40 – 110 g pro Woche.

Zur Darstellung des Gewichtsverlaufs gibt es die sogenannten Perzentilenkurven.
Die Kurven stellen dabei Prozentangaben und keine verpflichtenden Richtlinien dar.
Befindet sich euer Baby auf der 50% Perzentile liegt es nicht auf der perfekten Mitte. Auch die 95% oder 40% oder 3% dürfen für euer Baby perfekt sein.
Die Zahlen sagen lediglich wie viele Kinder zu diesem Zeitpunkt ein niedrigeres Gewicht haben.
Achtung: Die Perzentilenblätter in den Untersuchungsheften sind häufig noch für Kinder, die nicht mit Muttermilch ernährt werden.
Für gestillte Babys gibt es ganz eigene Kurven von der WHO.

Ob die Zunahme passt, erkennt ihr, eure Hebamme, euer Kinderarzt oder eure Stillberaterin, indem ihr alle Werte passend in die Perzentilenkurve eintragt.

Nimmt euer Baby im genauen Verlauf oder parallel zu „seiner“ Perzentile zu : perfekt!

Kreuzt es die Kurven nach oben: alles gut, mehr Kuschelmasse

Kreuzt es eine oder mehr Kurven nach unten: Kontaktiert bitte eure Stillberaterin IBCLC! Bei einer gekreuzten Kurve reichen häufig kleine Änderungen und es stimmt wieder, bei zweien liegt schon eine Gedeihstörung vor und es besteht dringender Handlungsbedarf!

Zur genauen Gewichtsbestimmung sollten die Bedingungen möglichst gleich sein. Das Baby sollte möglichst nackt, nach dem Wickeln und vor der Mahlzeit mit der gleichen Waage gewogen werden. Apotheken bieten einen Leihservice für geeichte Babywaagen an. In der Regel reichen jedoch die Daten des regelmäßigen Wiegens von Kinderarzt oder Hebamme. Normale Körperwaagen sind hierzu nicht geeignet.

Was könnt ihr tun, damit euer Baby immer optimal mit Muttermilch versorgt ist?

– Stillen nach Bedarf: So oft das Baby anlegen wie es möchte, die Nachfrage regelt das Angebot, auch wenn es manchmal echt nervt – es gibt kein zuviel , in den ersten Wochen sind mindestens 10-12 Mahlzeiten NORMAL

– Nicht auf die Uhr sehen : Das Baby darf so lange trinken, wie es möchte. Es gibt schnelle und langsame „Esser“, genau wie bei uns Erwachsenen.
Gerade in Wachstumsphasen möchten die meisten Babys gefühlt nur noch stillen. Durchhalten! Das hält nur ein paar Tage an. Sie bestellen dabei mehr Milch, die sie für das Wachsen und danach brauchen.

– Störquellen vermeiden: Schnuller und Fläschchen wirken praktisch, können die Stillbeziehung jedoch sehr schnell negativ beeinflussen. Hunger wird unter Umständen weggenuckelt und eine Saugverwirrung kann jederzeit entstehen.

-Kein Tee oder Wasser Zufüttern: Die Empfehlung lautet: erst ab der zweiten festen Mahlzeit Wasser als Getränk in einem Becher anbieten.
Tee gehört grundsätzlich nicht in den Babybauch.
Beides hat keine Kalorien, füllt jedoch den Bauch. Das Baby nimmt so weniger Muttermilch auf und seine unreifen Nieren werden durch die zusätzliche Flüssigkeit belastet.

– Ablenkung und Stress reduzieren: Ständig Besuch oder Termine? Das stresst nicht nur euch unnötig und kann den Milchfluss hemmen, sondern auch eure Babys. Gönnt euch und euren Kleinen genug Ruhe, darin liegt tatsächlich die Kraft.